Seniorenwanderung vom 24. - 26. August 2009 im Wallis vom Val d’Anniviers ins Val d’Hérens

Seniorenwanderung vom 24. - 26. August 2009 im Wallis vom Val d’Anniviers ins Val d’Hérens

Montagmorgen, 24. 8. 2009, 07.15 Uhr, Bahnhof Meiringen. Von verschiedenen Seiten her treffen sie ein, die Teilnehmer am Walliser 3-Tägeler. Im Zug ist im hintersten Wagen für uns reserviert und beinahe verpassen wir die drei Innertkirchler, die vor lauter pressieren an uns vorbei eilen und uns im vorderen Teil des Zuges suchen. Von ennet dem Brünig sitzen schon Hermann, Alois, Hans und Albert im Wagen. Bis wir in Brienz noch Täus und leider nur für den heutigen Tag auch Liesel in Empfang nehmen, haben sich die anderen alle begrüsst und wo nötig auch gegenseitig vorgestellt. Fünfzehn Personen werden wir sein für die nächsten Tage und wir hoffen dass alles gut geht und Petrus uns wohlgesonnen sein wird.

In Spiez fangen die Probleme schon an, im reservierten Wagen sitzen zwei Schulklassen mit viel Gepäck, somit ist klar dass die Fahrt durch den Lötschberg stehend genossen wird. Zum Glück dauert sie ja nicht mehr lange dank des Tunnels. In Sierre warten die zwei letzten Teilnehmer auf uns, es sind Olaf Kier aus Deutschland mit seiner Partnerin Karin. Im Postauto nach Grimentz ist genügend Platz, obwohl hier niemand von unserem Kommen weiss. Der Chauffeur erklärt es damit, dass die Reservierung am Freitagnachmittag im Büro liegen blieb und am Montagmorgen noch niemand nachgesehen hat! Hat man Töne!! Wir kommen wohlbehalten an der Staumauer des Lac de Moiry an. Für die meisten ist es die erste Fahrt ins Val d’ Anniviers, alle aber sind wir beeindruckt über die Kühnheit der Strassenbauer von damals. Die Tiefblicke in die Schlucht der Navisence sind teilweise sehr spektakulär und machen uns schaudern.

Nach dem obligaten Startkaffee packen wir den Aufstieg an. Es erwarten uns knapp 700 Meter bis zum Col de Torrent. Der Weg führt über Alpweiden die doch schon leicht herbstlich wirken. Trotzdem begleiten uns noch verschiedene späte Blumen, auch Edelweiss dürfen wir noch bewundern. Oben am Lac des Autannes weidet eine ganze Gruppe der schwarzen Eringerkühe. Sie haben keine Scheu und lassen sich genüsslich zwischen den mächtigen Hörnern kraulen. Wer diese Kühe zum ersten Mal sieht braucht allerdings etwas Mut um ihnen nahe genug zu kommen. Sie wirken grimmig mit ihren kurzen Hälsen und den stämmigen Körpern. Aber sie sind an den Mensch gewöhnt, gutmütig und neugierig. Einen wunderbaren Blick in die umgebenden Bergriesen hat man von hier und in der Tiefe blinkt noch der Lac de Moiry. Noch schöner wird die Aussicht aber auf dem Col de Torrent, den wir um ca. 14 Uhr erreichen. In beide Täler kann der Blick nun von der Höhe von 2919 Metern schweifen.  Die Dent Blanche hüllt sich ein wenig verschämt in ein Wolkenkleid, aber von der Dent d’Hérens über Pigne d’ Arolla zum Mont Blanc de Cheillon und den Aiguilles Rouges d’ Arolla haben wir einen herrlichen Rundblick ins Val d’Hérens. Hinter uns im Val d’Anniviers zeigen sich Weisshorn, Zinalrothorn und Obergabelhorn. Nach einer guten Mittagsrast steigen wir recht steil zum kleinen See oberhalb der Alp Cotter ab. Hier treffen wir wieder auf die schönen Eringerkühe und ihre beiden Hirten haben es sich der Länge nach bequem gemacht und hüten die Kühe schlafend! Für den Abstieg nach Villa nehmen wir uns genügend Zeit, sind es doch gute tausend Meter die wir unseren Füssen zumuten. Ob wohl die Wirtschaft an der Postautohaltestelle in Villa am Montag geöffnet hat? Wir wagen kaum wirklich daran zu glauben, aber siehe da, es gibt ein Bier! Wir haben Zeit unseren Durst zu stillen bevor uns die Post nach Evolène hinunter fährt. Hier verabschieden wir uns von Michel Liesel, sie hat uns in Erinnerung an die Schulreise der neunten Klasse bis hierhin begleitet, muss aber wieder nach Hause fahren. Im altehrwürdigen Hotel Hermitage mitten im Dorf beziehen wir unsere Zimmer, waschen uns den Wanderstaub vom Körper und treffen uns eine Stunde später zum gemeinsamen Spaziergang ins nahe gelegene Restaurant de la Paix. Hier erwartet uns ein köstliches Nachtmahl das wir sehr geniessen. Jetzt wird es schnell still, eins nach dem anderen verabschiedet sich und wünscht eine gute Nacht. Nach einem letzten Schlummertrunk finden auch die unentwegtesten den Heimweg ins Bett. Es war ein schöner Tag und das Wetter war uns hold. Vielleicht war es Olaf zu verdanken, er war den ganzen Tag überzeigt davon dass der Herr mit den Seinen ist!

25.8. 2009  Frühstück ab 07.45h. Die meisten sind schon da, offenbar hat der Schlaf hungrig gemacht. In der Nacht hat es ein wenig geregnet, jetzt ist alles verhängt und man sieht nirgends hinauf. Olaf meint, da brauche es wohl eine angezündete Kerze in der Kirche damit das Wetter bessert. Na ja!  Um 08.15 fehlen uns beim Frühstück noch immer Gertrud und Mario, sind die etwa schon ins Dorf gegangen? Beim schüchternen anklopfen am Zimmer stellt sich heraus dass Gertruds Handy Winterzeit hatte und der Wecker deshalb zu spät war. Da unser Postauto erst um 09.00 Uhr fährt, haben die beiden noch alle Zeit zum frühstücken. Wir anderen bummeln durchs Dorf, kaufen noch eine Kleinigkeit ein und als ich bei der Kirche vorbeikomme kommt mir Olaf in den Sinn. Ich trete ein und erfreue mich an der schönen Innengestaltung. Diese Kirche ist kein überladenes Gotteshaus, sondern ein angenehmer Raum in dem sich in Gedanken leicht eine Bitte für einen guten Tag formulieren lässt. Auf unserem Programm stünde eigentlich die Wanderung von Arolla zur Cabanne des Aiguilles Rouges auf guten 2800 Metern. Allerdings ist das Wetter mehr als unsicher. Dank Franks Ortskenntnissen fahren wir trotzdem nach Arolla. Die Suppe wird indessen immer dicker, können wir es da überhaupt wagen so hoch hinauf zu steigen? Das Wetter nimmt uns die Entscheidung ab. Kaum sind wir in Arolla aus dem Postauto ausgestiegen, fängt es an zu regnen, nicht heftig, aber schön durchdringend. Jetzt wird die Szene bunt. Farbige Überhänge, Regenjacken und Schirme werden aus den Rucksäcken gekramt und aufgespannt oder übergezogen. In dieser farbigen Aufmachung steigen wir die erste Viertelstunde bergan, dann ist der Spuk vorbei. Frank hat mittlerweile entschieden dass wir auf die Hütte verzichten und dafür auf dem Höhenweg zum Lac Bleu wandern. Je nach Wetter haben wir da verschiedene Möglichkeiten zur Fortsetzung. Der Weg führt uns durch schönen Arven- und Lärchenwald in die Höhe. Hier wachsen die Bäume bis weit über 2000 Meter hinauf und je höher man kommt desto schöner sind die Arven. Sie zeugen aber auch vom Überlebenskampf in dieser Höhe, viele von ihnen sind krumm oder verdreht von Sturm und Schnee, dadurch aber erst recht imposant und eindrücklich. Wunderschöne Stimmungsbilder ergeben sich durch das wilde Wetter und das treiben der Wolken. Es sind keine Postkartenbilder die man heute fotografiert sondern echte Bilder „aus dem Leben“. Der Mont Collon den man in Arolla so schön als Talabschluss sieht oder der Pigne d’ Arolla zeigen sich mit grossen Wolkenkragen, Hüten  oder Schleiern. Allmählich aber haben sich die Elemente ausgetobt und machen immer stärker der Sonne Platz. Der Weg ist abwechslungsreich, mal führt er über schmale Stellen an schroffen Abhängen vorbei, dann wieder durch Waldpartien oder Weiden. Ein Wildbach mit „Chnebelbrücke“ darf natürlich auch nicht fehlen, danach steigen wir wieder steil an bis wir endlich beim See ankommen. Er macht wie immer seinem Namen Ehre und liegt kitschig blau in der Sonne. Für kurze Zeit konnten wir hinaufsehen bis zur Hütte unter den Aiguilles Rouges, sie lag im schönsten Sonnenschein. Aber hinter den Bergen kam schon die nächste drohende Wolkenwand in Sicht. Wir verteilen uns malerisch auf der Wiese oberhalb des Sees und geniessen unser Picknick. Eine kleine Truppe der uns schon bekannten Eringerkühe kommt über den nächsten Hügel getrottet und wendet sich zielstrebig dem See zu. Der Hirt kommt mit Frank ins Gespräch, es stellt sich heraus dass die zwei vor bald 60 Jahren einmal zusammen die Kühe hüteten. Unterdessen löschen die Tiere am See ihren Durst und kommen dann neugierig näher. Die eine will sich gar an einem fremden Rucksack vergreifen, beginnt ihren Kopf daran zu reiben und versucht ihn mit den Hörnern aufzugabeln. Sie lässt sich gutmütig vertreiben und wendet sich dafür dem Brot zu das Gertrud ihr hinhält. Ohne Ablenkung wär’s dem Rucksack vielleicht ergangen wie Franks schönem rotem Jäcklein das er als kleiner Junge einmal besass. Das wurde am  Lac Bleu von einer Kuh dermassen zerkaut dass es nicht mehr zu retten war und einen Goldknopf hatte die Kuh auch noch gefressen!!

Da sich das Wetter von der angenehmen Seite zeigt bleiben wir auf dem schönen Höhenweg und wandern auf und ab, aber vor allem immer wieder hinauf bis zur Alp Etoile auf 2060 Meter und von da weiter Richtung Evolène. Von der Alp weg finden wir alte Wege die wohl früher als kürzeste Verbindungen von Alp zu Alp und zu den Maiensässen führten. Das macht unseren Weg interessant, zeigt er doch welche Strecken und welches Gelände die Leute früher bewältigen mussten. Auf der letzten halben Stunde steil durch den Wald hinunter nach Evolène rasten wir ein letztes Mal und da kommen nun wieder die bunten Regensachen zum Zuge. Schon davor narrten uns einmal ein paar verirrte Tropfen. Aber jetzt ist endgültig Schluss mit schönem Wetter, die letzten paar Minuten verregnet es uns noch ein wenig. Olafs Kommentar dazu: „Gott ist mit den Seinen, aber die säumigen straft er!“ Bei der Ankunft im Hotel meint er noch: „Schreib im Bericht meine Füsse sind dankbar dass sie unten angekommen sind.“ Ich glaube dass auch alle anderen dankbar sind, es war wieder ein wunderschöner, abwechslungsreicher Tag. Wir haben sechs Stunden Marschzeit hinter uns und von Arolla bis Evolène sind es 10 km Luftlinie. Unser Nachtessen haben wir uns auf jeden Fall verdient!

26.8.2009 Frühstück und Abfahrt sind heute zur gleichen Zeit angesagt wie gestern. Alle sind pünktlich, guter Laune, zu Sprüchen aufgelegt und freuen sich darauf was der neue Tag bringen wird. Leider werden uns Karin und Olaf heute nicht mehr begleiten, Karin’s Füsse haben mit entzündeten Stellen schon gestern gestreikt. Heute kann sie kaum Sandalen anziehen und muss auf weitere Touren verzichten. So verabschieden wir uns schon jetzt von den beiden, in der Hoffnung dass es ein anderes Mal für sie gibt. Wir fahren mit dem Postauto hinauf nach La Forclaz, dem südlichsten der drei Dörfer auf der Sonnenterrasse über dem Val d’ Hérens auf rund 1700 Meter. Von hier steigen wir auf dem bequemen Alpsträsschen der Alp Bréona entgegen. Munter fliegen da die Worte hin und her, der Weg ist nicht zu steil und schön breit. Langsam öffnet sich der Blick zum Ferpècle Gletscher und hinauf zur majestätischen Dent d’ Hérens. Zwar ist uns kein wolkenloses Wetter vergönnt, aber die Stimmungen sind wieder wunderschön. Bei den ersten schön zurechtgemachten
alten Häusern der Alp, deponieren wir einen Teil unserer Rucksackinhalte und gehen mit leichterem Gepäck weiter. Nun wird es auch steiler, wir folgen dem alten Weg bis zu den obersten Häusern. Die Alp Bréona ist in mehreren Etagen an den steilen Hang gebaut und es ist eine Freude zu sehen wie gut die Häuser unterhalten sind. Wir wandern weiter in Richtung Lac du Tsaté bis wir zum Alpkreuz von Bréona kommen das gut sichtbar auf einem Hügel auf ca 2300 Meter steht. Hier machen wir Rast, geniessen erneut die Weitsicht auf die hohen Gipfel und das angenehm warme Wetter. Kurz nach zwölf Uhr fordert uns Frank auf stille zu werden. Wir gedenken in diesen Minuten unseres Mitgliedes und Gründers der Seniorengruppe, Adolf Michel. Zu eben dieser Stunde wird er nach einem reich erfüllten Leben zu Grabe getragen. Da wir nicht dabei sein können, werden verschiedene Anekdoten von und über Adi erzählt und so steht er nochmals sehr lebendig vor unserem inneren Auge. Ich den-ke, auf diese Art Abschied zu nehmen wäre in seinem Sinn gewesen.
Nach einer sehr ausgedehnten, gemütlichen Mittagsrast beschliessen wir zurückzu-kehren nach La Forclaz und Les Haudères und wenn möglich eine Stunde früher als geplant den Heimweg anzutreten. So wird es auch für die vier Kameraden die noch
über den Brünig müssen nicht so sehr spät. Gertrud hat auf dem Abstieg bei den Alphütten noch Himbeeren gesammelt, hat aber bald gemerkt dass sie noch nicht richtig reif sind. Die deponierten Sachen aus den Rucksäcken sind noch alle vorhan-den und so geht es munter dem Dorf entgegen. Hier wird noch eine Grundsatzfrage geklärt, jetzt schon ein Bier in La Forclaz oder gleich bis runter nach Les Haudères und da noch etwas trinken? Wir sind alle dafür erst noch hinunter zu gehen und so schauen wir uns im vorbeigehen noch genüsslich die schönen alten Dorfhäuser mit ihrem typischen Baustil an. Auch in Les Haudères bewundern wir die schön geschmückten Häuser und sind uns einig dass die Blumen auf über tausend Metern einfach schöner blühen. Uns bleibt noch Zeit für einen Trunk bevor das Postauto fährt und wir machen es uns auf der Terrasse vom Restaurant La Cordée gemütlich. Hier gibt es für zwei von uns eine böse Überraschung als wir den sauren Most be-zahlen wollen. Dort haben sie doch tatsächlich die Frechheit, für einen halben Liter sauren Most Fr. 13.- !!!!! zu verlangen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu be-zahlen. Margrit tröstet uns sehr weise. Sie meint, wir hätten ja gestern den ganzen Tag nirgends einkehren können, da gleiche sich das wieder aus. Wo sie recht hat, hat sie recht!
Nun sind diese drei schönen Tage also schon wieder vorbei. Viel zu schnell ist die Zeit verflogen in der angenehmen Gesellschaft Gleichgesinnter. Im Postauto und später im Zug wird es immer stiller, immer weniger hört man von den wackeren Wandervögeln. Der eine oder andere hat die Zeit der Heimreise zu einem Nickerchen genutzt, warum auch nicht. Das voneinander Abschied nehmen beginnt schon in Brienz wo Thäus von seiner Ruth abgeholt wird. Bis wir in Meiringen ankommen bleibt nur noch ein allgemeines Händeschütteln und ein riesiges Dankeschön an Frank der beim organisieren wirklich an alles gedacht hat!

Merci tausendmal.

Teilnehmer: Leiter Frank Wasem

                                  Huwyler Hans, Berchtold Hermann, Gasser Alois, Meier Albert,

                                  Michel Matthäus, Würgler André, Leuthold Heinz,

                                  Rufibach Margreth, Bolliger Margrit, Streich Martha,

                                  Darioli Gertrud und Marco, Kier Olaf und Karin, Wasem Isabelle

Tourenbericht Wasem Isabelle