Donnerstagmorgen, halb sieben. Zehn Personen schauen Frank und mir erwartungsvoll entgegen als wir mit dem Bus vorfahren. Das Wetter ist noch reichlich zugehängt, die Wolken hängen tief und dunkel. Der Herr am Wettertelefon hat uns für den Jura zwar Bewölkung, aber keinen Regen „versprochen“. Also fahren wir wohlgemut los. Richtung Bern wird es immer heller und freundlicher was uns sehr zuversichtlich stimmt. Leider zu früh! In Noiraigue ist es wieder dunkel, den Creux du Van haben wir auf der Anfahrt nicht sehen können. Was soll’s, es kann nur besser werden. Erst mal möchten wir Kaffee trinken und auf unsere zwei letzten Teilnehmerinnen warten die von Bern her mit dem Zug kommen. Enttäuschung!! Die einzige Gaststätte am Ort hat Ruhetag, obwohl die Gaststube voll besetzt ist. Die Wirtin erklärt dass dies eine angemeldete Gruppe ist und wir wollen enttäuscht von dannen gehen. Das ist ihr aber gar nicht recht und sie regt sich auf dass sie uns nicht bewirten kann. Da haben die Herren in der Gaststube Erbarmen und machen sich bereit ihre Wanderung anzutreten und uns die Plätze zu überlassen. So kommen wir doch noch zu einem Startkaffee. Unterdessen sind auch Margrit und Liesel eingetroffen und wir können starten. Kaum sind wir unterwegs beginnt es zu regnen, zwar nicht stark aber stetig. Unser Weg führt uns hinauf zur Alp Oeuillons, hier haben viele Tiere eine neue Heimat gefunden. Einige Esel, div. Pferde, Hühner und Kaninchen fristen hier ihr Leben. Sie stehen ziemlich nass und kläglich im Regen. Nun steigen wir steil bergan, die Kurven sind nummeriert wie am Stilfserjoch, zum Glück aber nicht so zahlreich! Schön sieht sie aus, die Kolonne bunter Wanderer sie sich den Weg hinaufschlängelt. Immer wieder einmal kommt sie auch ins stocken weil wir hier doch auf Pflanzen treffen die sich von den bei uns gewohnten unterscheiden. Grosse Diskussionen kommen auf, was dies oder das nun denn sein könnte. Glöis setzt dem ein Ende indem er allen Ernstes erklärt wie er zu einer Antwort kommt. Frank ist hin und weg was man mit den neuen I-Phones alles kann. Glöis will nämlich mit seinem die Blume fotografieren und bekommt dann sogleich eine Antwort was er aufgenommen hat! Es dauert eine geraume Weile bis Frank merkt das auch die heutige Technik noch nicht ganz soweit ist!
Schliesslich stehen wir am oberen Rand des Creux du Van, nur sehen können wir leider in die Tiefe noch immer nichts. Auch zum Picknicken ist es einfach zu nass. Wir beschliessen, uns im nahegelegenen Restaurant Soliat zu verpflegen. Wir sind die ersten Wanderer und werden freundlich in den oberen Stock ins geheizte Stübchen gebeten. Hier sieht es bald aus wie in einer überbelegten SAC- Hütte. Überall hängen Regenjacken und Hüte zum trockenen, derweil wir uns Mitgebrachtes und hier Gekauftes schmecken lassen. Die Stimmung ist nach wie vor gut, der Regen hat zum Glück der guten Laune nichts anhaben können. Bald machen wir uns wieder auf den Weg, der Platz wird mittlerweile für neue Regenwanderer gebraucht. Die Stimmung draussen hat sich verändert, Nebel ist dazugekommen. Richtig mystisch mutet die Landschaft mittlerweile an. Schwach erkennt man die alten Baumgruppen durch den Nebel. Wir gehen alles dem Rand des Creux du Van’s entlang. Die Mauer die vor dem Absturz schützt, wurde von internationalen Jugendgruppen aufgeschichtet. Plötzlich heisst uns Frank ganz still zu sein. Es braucht eine Weile bis wir sehen warum. Vor uns schälen sich Silhouetten aus dem Nebel und entpuppen sich als Steinböcke. Zehn Stück sind es zuletzt, grosse und kleine. Sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, sie scheinen die Menschen gewöhnt zu sein. Schön sieht es aus, diese majestätischen Tiere im Nebel, mal sind sie deutlich, dann wieder verschwimmen sie im Grau. Nur widerwillig reissen wir uns von diesem Anblick los und machen uns an den Abstieg. Gemächlich führt uns der Weg langsam immer tiefer, die mystische Stimmung bleibt erhalten. Unten angekommen, gönnen wir uns noch eine gemütliche Rast in der Ferme Robert. Hier hat einer aus dem Ländli eine Eingebung. Er meint, dies sei doch nun wirklich einmal eine gemütliche Wanderung gewesen. Hätten wir schönes Wetter gehabt, wären wir in Stress geraten, man hätte wahrscheinlich kaum gewusst was alles zu fotografieren sei. So war es friedlicher, meint er! Man kann es auch so sehen. Die nächste Idee kommt sogleich. Man könnte doch eigentlich Tunnelwanderungen organisieren, die wären Wetterunabhängig.
So geht trotz schlechten Wetters eine schöne Tour dem Ende entgegen. Um 16Uhr fahren wir los um nach Hause zu gelangen und prompt hört der Regen auf. Aber der Blick hinein in den Creux du Van bleibt uns auch jetzt verwehrt. Zurück in Meiringen sind wir uns einig dass es trotzdem sehr schön war und wir halt versuchen ein anderes Mal bei schönem Wetter zurück zu kommen.
Danke für die Organisation, Frank, für’s Wetter machen wir dich nicht verantwortlich!
Teilnehmer: Rufibach Margreth, Kübli Vreni, Michel Heidi, Bolliger Margrit, Thöni Hanspeter, Michel Elisabeth, Wasem Isabelle, aus dem Ländli Halter Robi, Berchtold Hermann, Gasser Alois, von Flue Glöis, Huwyler Hans, als Gast Lehmann Fini
Tourenleitung: Frank Wasem
Bericht : Isabelle Wasem