Ostertour

Tag 1

Um fünf Uhr am Karfreitag bei der Kletterhalle war es noch finster, müde und kalt. In Innertkirchen stiess Barbara Tännler zu den vier noch schweigsamen Weggefährten. Im Steinglescher war der Parkplatz voll bis auf den letzten Platz. Der Wind ging durch alle Kleiderschichten. Im schönen Mondschein starteten wir gleichzeitig mit 100 anderen Skitourengängern. Vor uns waren mindestens so viele schon unterwegs. Richtung Giglistock teile sich die Menge. Der grössere Teil verfolgte das Ziel Sustenhorn. Aber auch auf dem Giglistock angekommen, brauchte man fast eine Platzkarte an der Sonne. Der Schnee war schön „sulzig“ zum fahren. Nach ein paar Kurven montierten wir die Felle wieder bis auf die Steinlimi. Der Abstieg stellte sich als anspruchsvoller heraus, als angenommen. Rund hundert Meter mussten wir durch das eisige Schneecouvar rutschen. Anschliessend gab es nochmals ein paar schöne Bögen zu fahren. Auf der Triftbrücke wurde „Trift“ zu einem ganz neuen spürbaren Begriff. Der Föhn blies so stark, dass einem fast der Atem wegblieb. Erschöpft aber zufrieden erreichten wir die Windegghütte. Lüthi Martina und Neuenschwander André verwöhnten uns dort mit einem feinen Raclette.

Karin Gertsch

Tag 2

Um  06:20 starteten wir zu unserer zweiten Tour Richtung Steinhüshorn. Direkt neben der Hütte montierten wir die Harsteisen und Skis. Windböen, gefrorener Schnee, Spitzkehren im steilen Gelände, schon wieder ging es ans Eingemachte. Nach diesem kurzen Warmup waren nun alle wach und es ging flacher bis zur Abzweigung beim Steinmanndli. Weil der Föhn immer noch blies und das Wetter in der Trift nicht gut aussah, machte Walter den Vorschlag, heute aufs Märenhorn zu gehen und es morgen mit dem Steinhüshorn zu versuchen. Das tönte gut und wir machten uns auf den Weg vorbei am Windegghorn bis auf den Sattel am Ende des Grads, mit einer kleinen Pause unterwegs. Da die Schneeverhältnisse gut waren, beschlossen wir, das letzte Stück bis aufs Märenhorn auch noch zu wagen. Dazu mussten wir die Skier aufbinden und auf der hinteren Seite vom Sattel ein steiles Couloir absteigen. Unten angekommen ging es weiter mit den Skis, zuerst moderat und anschliessend ziemlich steil bis fast ans Ziel. Zu Fuss stiegen wir die letzten Meter bis zum Gipfel, wo sich uns ein traumhaftes Panorama bot. Nachdem wir das Gipfelgefühl genossen hatten, fuhren wir zurück zum Couloir. Dort banden wir die Skier wieder auf und stiegen zu Fuss zum Sattel, wo wir bei freundlichen Wetterverhältnissen unsere Mittagspause genossen. Nach der Pause erwartete uns eine schöne Abfahrt durch sulzigen Schnee, welche wir für uns alleine geniessen konnten. Nach einem kleinen Zwischenhalt beim Windegg Steinmandli fuhren wir direkt bis zur Windegghütte, wo wir schon mit warmem Tee erwartet wurden.

Beni Flühmann

Tag 3

Ein schön gedeckter Tisch mit Schoggihasen und gefärbten Eiern erwartete uns am Ostersonntag. Leider ist der Hunger am frühen Morgen bescheiden und die Zeit knapp, wollten wir doch pünktlich starten. Der Föhn hatte nachgelassen und die Wolken im Westen sollten uns nicht stören. Nach einem abwechslungsreichen Aufstieg erreichten wir P.2260 und genossen eine kurze Pause. Frisch gestärkt stiegen wir weiter, bestaunten die roten Felsen und waren glücklich, als wir auf dem Gipfel standen. Leider waren wir hier nicht allein, von Guttannenseite kam der Nebel und versperrte uns die Aussicht. So nahmen wir bald die Abfahrt in Angriff, erwartete uns doch steiles Gelände und ein Gegenanstieg. Dank weinig Schnee und ortskundiger Führung, konnten wir diesen „bin dr Chlempen“ elegant umgehen. Zurück in der Windegg genossen wir die Ruhe bei Kaffee und gemütlichem Zusammensein.

Magdalena Blatter

Tag 4

Heute wurden die Skis bereits bei der Windegghütte auf den Rucksack gebunden. Dann ging es los zu Fuss zur Triftbrücke und auf der anderen Seite rechts dem Drosibach entlang wieder hoch bis wir endlich Schnee fanden. Der weitere Aufstieg auf die Graui Stöckli führte uns zuerst ein bisschen „gnietig“ über Lawinenschnee, dann durch ein wunderschönes Tal bei Temperaturen wie in Afrika bis in ein Sätteli. Dort hiess es nochmals volle Konzentration für die letzte Traverse. Auf dem Gipfel wurde sofort das lang ersehnte Schoggi-Ostereili vertilgt und schon bald rauschten wir bei gutem Sulz den Gigligletscher hinunter bis zur Alp Gigli.

Bevor wir bei der Arve strandeten, stand uns der Sulz fast bis zum Kopf. Wir waren froh, dass wir die Skis nun bis zum Sageli tragen durften, wo Walters Auto stand (Danke Martina). Bei einem Panaché bei Tännlers schlossen wir die wunderschöne Ostertour ab. Wir waren uns alle einig: Wir sind glücklich und kaputt. Die Tour war sehr abwechslungs- und lehrreich. Einfach der Hammer! Danke Walter für die super Führung und Bewirtung und Magdalena für die Organisation.

Barbara Tännler

Bergführer: Walter Lüthi

Teilnehmer: Magdalena Blatter (Organisation), Karin Gertsch, Beni Flühmann, Barbara Tännler