Aig.de la Tsa 3668m

Ja, es hat mich erwischt. Einerseits die Kletterei mit dem SAC, andererseits darf (nach tiefem Blick von Magdalena) ich den Tourenbericht schreiben.

Fröhlich und erwartungsvoll, mit Kletter-und Eisausrüstung beladen trafen wir uns im Zug  Richtung Visp. Kaffee im Schatten oder Gebäck auf der sonnigen Haltestelle? Schwere Entscheidung bereits auf dem Bahnhofplatz Visp. Nach kurzweiliger Fahrt mit dem Postauto, vorbei an den imposanten Felspyramiden in Euseigne (bis 15m hoch, mit bis zu 20Tonnen Felshüten), erreichten wir Arolla. Unser Blick schweifte bereits hoch zu unserm Ziel: Aiguille de la Tsa. Wow, auf diesem Zahn ist kaum genug Platz für uns neun. Verflogen waren die müden Glieder und schläfrigen Augen von der Fahrt.

Wacker marschierten wir aufwärts Richtung Bertol Hütte, den Mont Collon vor Augen. Geröllhänge, steile felsige Abhänge und am Ende Eisenleitern, zehrten vereinzelt an den Kräften und forderte volle Konzentration. Die 1200 Höhenmeter machten sich langsam breit in den Beinen. Christine (als Schlusslicht) geleitete jeden geduldig zu Hütte. In luftiger Höhe angelangt, drang der herrliche Duft von Suppe, zwei Schritte weiter der penetrante Geruch der WCs in unsre Nasen. Trotz aller Anstrengungen; der traumhafte Ausblick in die Gletscher und Bergwelt mit Tête de Valpelline, Matterhorn, Tête Blanche und Dent Blanche lässt uns staunen. Sofort entwickelten sich lebhafte Diskussionen mit Militärpiloten und ihren Kollegen, welche zu einer Trekkingruppe aus Willisau gehörten. Fluglärm, Armee, Ruag, Haslitaler- sowie Wilisauerringli und vieles mehr, lieferten die Grundlage. Zufrieden geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen anbetend, den Petit Arvine, zu Ehren von Christines und Peschis Geburtstag. Da die Hütte voll belegt war, konnten wir erst in der 2.Schicht zum Nachtessen antreten. Suppe, undefinierbare Teigwaren und gebeizter Schweinsragout. Ungewohnt, unappetitlich in Blechwannen serviert, wie man sie heute sonst nur als Blumenkisten verwendet. Nichts desto trotz, wir hatten Hunger und mussten ein Fundament für Sonntag legen. Überraschenderweise hat diese Mahlzeit trotz aller Vorbehalte gut geschmeckt. Der Schoggicake war sogar vorzüglich.

Dank Magdalenas Überzeugungskünsten erlaubte die Hüttenwartin das Frühstück um 4 Uhr (statt 5 Uhr). Bei den Wettervorhersagen (ab Sonntagmittag Regen) also empfehlenswert. Wir verschwanden zeitig in den Seidenschlafsäcken. Aufgrund der keilförmigen Matratzen zog wohl jeder die Knie bis zum Hals, um den Nachbarn nicht zu treten. Für 20 schlafende Bergfreunde auf engstem Raum, fiel die Nacht jedoch ruhig aus.

Da unsere Zimmergenossen bereits um halb vier Tagwache hatten (Wilisauer sind nicht so Schnellstarter wie wir SAC-ler), konnten wir gemütlich das emsige treiben und packen  aus dem Schlafsack beobachten, bevor wir uns zum Marschtee abfüllen und frühstücken  erhoben. Gut  gestärkt zogen wir bereits auf der Hüttenterrasse das Gstältli an.

Vorsichtig stiegen wir die Eisenleitern hinab zum Gletscher. Während des Anseilens konnten wir eine Lichterschlange von Stirnlampen beim Herabsteigen beobachten, die sich ebenfalls auf dem Gletscher gruppierte.

Peschi führte uns sicher durch Eis, Geröll und Fels über einen kleinen Grat. Danach montierten wir die Steigeisen, traversierten rechts vom Col de la Tsa, Richtung Gipfel am langen Seil. Deutlich sichtbar die Lichter der Cab. Dent Blanche und der Zimmergenossen unterwegs zur Schönbielhütte.  Umgeben  von traumhafter Vollmond-Morgenstimmung, erfüllt mit innerer Zufriedenheit und voller Bewunderung für die prächtige Natur, rückten wir zügig voran zur Einstiegsstelle.

Glücklicherweise kletterte Peschi mit Margreth und Madlene voraus, wobei  er für die Nachfolgenden die vorhandenen Hacken mit Frends ergänzte, so dass alle relativ einfach den Gipfel erreichten. Da Christine und Markus Vögtli die letzte Seilschaft hinter uns waren, konnten wir jederzeit hilfreiche Tipps oder technische Details von dieser Seite in Anspruch nehmen. Die Kletterei verlangte trotzdem einiges an Geduld und Rücksichtnahme, damit jeder sein gewohntes Wohlfühltempo einhalten konnte.

Küsschen, Küsschen, Gratulation. Nach Christines Diretissima zum Gipfel;-) richtete Peschi bereits die Abseilstelle ein. Nur dank Standplatz-Sicherungen fanden wir alle Platz auf dem Gipfel.

Letzter Blick ins 360°C Panorama: Glacier de la Plaine Morte, Tour noir, Grand Jorasses, Grand Combin und rechts  vor uns, der Mont Blanc de Cheilon. Spontan  wurden nächste Touren besprochen und über mögliche Zielgipfel spekuliert. Herzlichen Dank zum voraus für die Organisation.

Wer sich nicht selbst abseilen wollte, wurde von Peschi fachmännisch in die Tiefe gelassen. Ich wollte unser Abseilgerät  benutzen. Mit Christine Vögtli im Rücken, die alle Verbindungen und Sicherungen kontrollierte, schwebte ich langsam hinab. Bei Toni, der die VP Methode anwenden wollte, dauerte es etwas länger, damit es nicht zur Kamikaze-Methode ausartete. Christine, herzlichen Dank für deine hervorragende Hilfe, so konnten wir einige wertvolle Hinweise erfahren um unser Wissen zu erweitern.

Um uns die Tour zu vereinfachen, Regen im Anmarsch, schlug Peschi den direkten Weg über den Col de la Tsa ein, anstatt über die Bertolhütte abzusteigen. Somit konnten wir weit über den Gletscher absteigen, statt Leitern zu klettern. Bei der einzigen steilen Strecke befestigte er eine Eisschraube, damit wir gut gesichert hinabsteigen konnten.

Über Gletscher, Geröll, Stein und „Plütter“ stiegen wir Richtung Wanderweg ab. Magdalena meinte gerade:“ Da isch aber nass“ und pf,pf,pf,ihr rechter Schuh war grau. Sobald wir festes Terrain unter den Füssen spürten, entledigten wir uns der Eisen, die im Bach sofort gewaschen wurden.

In zügigem Tempo marschierten wir Richtung Arolla, auf  selbem Weg zurück, den wir am Samstag hochgestiegen sind. Wow, so steil sind wir hoch? Dieses Geröll? Ah, deshalb spürten wir unsere Beine!!!!

Pünktlich zu den ersten Regentropfen erreichten wir Arolla. Da wir 2 Stunden Zeit hatten, bis der Bus abfuhr, fanden wir im Hôtel de Glacier eine blumige Wartestelle. 7 Käseschnitten (avectous?),Kaffee, Panaché und Salat verkürzten uns die Wartezeit.

Der Bus war so überfüllt, dass Christine zwei Fahrgästen die Gepäckablage als Schlafplatz vorschlug. Da sie den Einstieg nicht demonstrieren wollte (wegen der Schlagzeilen), blieben die beiden im Zwischengang stehen. Ohne Zwischenfälle erreichten wir Sion, von wo wir nach perfekten Anschlüssen  bereits um 18.00 Uhr in Interlaken eintrafen. Erneut ging ein erlebnisreiches, lustiges Wochenende mit dem SAC zu Ende. Magdalena, herzlichen Dank für deine perfekte Organisation in einer uns unbekannten Gegend.

Teilnehmer: Peter Schläppi( Bergführer), Magdalena Blatter, Madlene Ernst ,Margreth Wieland, Toni Wälchli, Christine und Markus Vögtli, Toni Brunner und Marianne Bruni(Bericht)